(c) LBS Neunkirchen

Die Lehrberufe der Metalltechnischen Industrie (MTI) bieten tolle Perspektiven mit raschen Aufstiegsmöglichkeiten, internationalen Jobchancen und einem attraktiven Einkommen.

Duale Ausbildung als internationales Vorbild


Die duale Ausbildung in Österreich gilt als bestes System weltweit, da sie Theorie und Praxis miteinander verbindet. Darüber sind sich Industrieunternehmer und Berufsschuldirektoren einig. Vor allem die Lehrberufe der Metalltechnischen Industrie (MTI) bieten tolle Perspektiven mit raschen Aufstiegsmöglichkeiten, internationalen Jobchancen und einem attraktiven Einkommen.

„Wir stellen uns schon auch die Frage, was braucht die Industrie von den Lehrlingen? Deshalb fördern wir unsere Schüler und gehen auf sie ein. Wir organisieren beispielsweise Projektarbeiten, wie den Entwurf eines Förderbandes für eine Druckgussmaschine mit bis zu 20 Schülern. Eine Gruppe zeichnete die Pläne, die nächste montierte und die dritte war für die Sensorik verantwortlich. Wir halten diese Art der Zusammenarbeit mit verschiedenen Menschen und Berufen für sehr realitätsnah“, berichtet Franz Mayer, Direktor an der Landesberufsschule in Neunkirchen.

Mit Lehrberufen im Gebiet der Metalltechnik sorgt der Landesberufsschulleiter im südlichen Niederösterreich für jährlich fast 1.300 technische Spezialisten von morgen, die in der ganzen Welt gesucht werden. Erst kürzlich besuchte eine slowakische Delegation die Schule, um Einblicke in das heimische Ausbildungssystem zu erhalten. Direktor Franz Mayer: „Wir arbeiten eng mit Unternehmen zusammen und holen die Lehrlinge dort ab, wo sie sich bildungsmäßig gerade befinden.“ Schlecht qualifizierte Auszubildende sieht er nicht und plädiert: „Gebt den Jugendlichen eine Chance, fordert sie heraus, sie werden euch überraschen! Da gibt es wirklich einige sehr gute Mädchen und Burschen.“

Landesberufsschulen und Unternehmen als Partner

Rund 80 Prozent ihrer Ausbildungszeit verbringen die Lehrlinge in Österreich in ihren Lehrbetrieben, die restlichen 20 Prozent der Ausbildungszeit in der Berufsschule. Die Unterrichtszeit wird dabei auch als betriebliche Arbeitszeit angerechnet. Dieses als duale Ausbildung bezeichnete System verbindet Theorie mit Praxis. Das theoretische Wissen, das die Lehrlinge in der Berufsschule erhalten, kann im Lehrbetrieb praktisch angewendet werden.

„Die Lehrlingsausbildung nimmt in der Metalltechnischen Industrie einen sehr hohen Stellenwert ein. Sind doch die Lehrlinge die dringend benötigten Fachkräfte der Zukunft. Die Landesberufsschulen sind dabei ein wichtiger Partner für die Unternehmen. Durch dieses gemeinsame Miteinander ist es möglich, den Lehrlingen das berufstheoretische Fachwissen – ergänzend zur Ausbildung in den Betrieben – auf hohem Niveau zu vermitteln“, sieht Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Fachgruppe Metalltechnische Industrie NÖ in der Wirtschaftskammer NÖ, eine perfekte Kombination von Theorie und Praxis im effektiven System.

Umfangreiche Zusatzausbildungen

„Wir vermitteln technische Kompetenzen auf höchstem Niveau sowie soziale Kompetenzen, beispielsweise die Fähigkeit im Team zu arbeiten“, erzählt Direktor Ewald Übellacker von der Landesberufsschule Amstetten. Rund 400 Lehrlinge befinden sich im westlichen Niederösterreich ständig in der Ausbildung zum Metalltechniker, Elektrotechniker, Mechatroniker und Kältetechniker. So absolvieren pro Jahr insgesamt 1350 Schülerinnen und Schüler die Lehrgänge, wobei die Lehrlinge aus ganz Niederösterreich kommen, im Bereich Kältetechnik auch aus den Bundesländern Kärnten, Vorarlberg, Salzburg und Tirol.

„Die Schule stellt eine Ergänzung zur Praxis im Betrieb dar, wobei wir mit umfangreichen Zusatzausbildungen wie Stapler- und Kranführerschein oder zertifizierten Schweißintensivkursen in den Ferien einiges anbieten“, schildert Direktor Übellacker. Insbesondere die Werkstätten und Laboratorien sind mit neuesten CNC-Maschinen, SPS-Technik und Robotik ausgestattet. Die Lehrpläne sind auf dem neuesten Stand der Technik, es werden Spezialmodule im Bereich der Automatisierungs- und Fertigungstechnik angeboten.

MTI investiert in technische Infrastruktur

Dass die Ausstattung der Maschinenparks in den Landesberufsschulen „alle Stückl‘n spielt“, ist nur durch den Schulterschluss von Land NÖ und der Wirtschaft möglich. „Wir investierten und investieren auch künftig als Metalltechnische Industrie maßgeblich in die Infrastruktur der Landesberufsschulen. Nur so ist gewährleistet, dass die Lehrlinge am modernsten Stand der Technik ausgebildet werden“, sieht Schmid-Schmidsfelden die Unterstützungsleistungen genau richtig eingesetzt. Aktuell werden für die LBS Neunkirchen Industrie 4.0-Module angeschafft, wobei sich die Landesberufsschule Amstetten auch über neue Schweißgeräte freuen durfte, die gemeinsam von der Industrie und dem Gewerbe finanziert wurden.

‚Lehre? Respekt!‘, NÖ Begabungskompass, Lehrstellen-Hotline

Die Wirtschaftskammer NÖ (WKNÖ) setzt zahlreiche Initiativen, um das Image der Lehre in der Öffentlichkeit aufzuwerten und um die Lehre als die Ausbildung mit den besten Zukunfts-Chancen wahrgenommen werde: Mit den Initiativen wie dem NÖ Begabungskompass, der Plattform ‚Lehre?Respekt!‘, dem Projekt ‚Lehre nach Matura‘ und den Auslandserfahrungen für Lehrlinge über ‚Let’s Walz‘ wird eine breite Pallette On- und Offline angeboten.

„LEVEL!UP“, die Lehre nach Matura, ist der direkte und kürzeste Weg, mehr aus einer Matura zu machen. Der „kürzeste“ auch deswegen, weil Maturantinnen und Maturanten mit Einverständnis des Lehrbetriebes auf der Schnellspur zum Lehrabschluss kommen können.

Der NÖ Begabungskompass steht allen Schülerinnen und Schülern der 7. Schulstufe kostenlos für ihre berufliche Orientierung und ihre Suche nach einem passenden Bildungsweg zur Verfügung. Neben einem Talente-Check und einer Potenzialanalyse dienen vor allem intensive Beratungsgespräche dazu, Begabungen und Interessen der Kinder zu eruieren. Die Arbeit der Wirtschaftskammer trägt Früchte. Dies dokumentiert sich in jährlich steigenden Lehrlingszahlen.

Seit heuer steht für Auskünfte rund um die Lehrausbildung auch eine eigene Hotline zur Verfügung: Unter 02742/851-17900 beantworten die Expertinnen und Experten der Lehrlingsstelle alle Fragen zu den Themen Lehrlingserstausbildung, Lehrvertrag, Lehrabschlussprüfung, Lehrlingsausweis, Lehrzeit- und Schulanrechnung und Teilqualifizierung. Die Lehrlingsstellen-Hotline steht allen Wirtschaftskammer-Mitgliedern, Lehrlingsausbildnern und Lehrlingen kostenlos zur Verfügung.

Globales Denken, regionales Handeln

Einen ähnlich, bildungsnahen Ansatz verfolgt die Weinviertler Mechatronik Akademie (WMA) mit einer möglichst frühen Berufsorientierung und unter Einbindung der Eltern. Dort unterrichten Industriepartner und Ausbilder die Praxis, während die Lernenden auf die Berufsschule vorbereitet werden. In den eigenen Werkstätten werden reale Lernaufträge beispielsweise mechatronische Vorrichtungen für die Partnerfirmen wie Rupert Fertinger, METUSAN, LIEBHERR, BÜHLER, WITTMANN oder COMPACFOAM hergestellt. Derzeit realisieren 28 Personen während ihrer Ausbildung die Praxisprojekte und setzen praktische Projekte in engen Bezug zu Industrie 4.0 um.

„Wir haben hier ein Modell, wo alle – Industriebetriebe, die Wirtschaftskammer und das fördernde Arbeitsmarktservice – zusammenarbeiten, womit wir in der handwerklich exzellenten Ausbildung eine Win-Win-Situation schaffen. Wir bilden zwischenbetriebliche Lehrlinge im Bereich Mechatronik und Metalltechnik von Partnerfirmen ebenso aus wie auch überbetriebliche Lehrlinge vom AMS mit dem Vorteil, dass das AMS seine Klientel verliert und die Unternehmen neue Facharbeiter bekommen“, erzählt Geschäftsführer Dieter Körbisser. „Unseren Absolventen stehen alle Türen offen!“

Facts & Figures:

Die Metalltechnische Industrie ist die Schlüsselindustrie und Job-Motor in Niederösterreich. Sie umfasst alle Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei. Mit über 310 Unternehmen und knapp 26.000 Beschäftigten erwirtschaftet die Metalltechnische Industrie NÖ pro Jahr einen Produktionswert von 7,3 Milliarden Euro. Die mittelständisch strukturierte Branche stellt das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in NÖ dar.

Zahlen für NÖ:

  • 26.366 unselbständig, beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 313 Unternehmen
  • 7,3 Mrd. Euro Produktionswert (davon 5,2 Mrd. Euro Umsatz im Ausland)
  • 12,4 Prozent des Bruttoregionalprodukts von NÖ erwirtschaftet die Branche
  • 971 Lehrlinge – das entspricht rund 40 Prozent der Industrielehrlinge
  • rund 80 Prozent KMU
  • rund 85 Prozent Familienbetriebe
  • 23 Prozent aller NÖ Exporte
  • über 115 Mio. Euro F&E-Ausgaben jährlich
Weitere Informationen unter:

www.wma-mechatronik.at
www.lbsamstetten.ac.at
www.lbsneunkirchen.ac.at
www.lehre-respekt.at
www.wko.at/service/noe/bildung-lehre/Lehre_und_Matura.html
www.begabungskompass.at


teilen auf whatsApp
Scroll to top