(c) Dominik Stixenberger

Personen am Foto: Duomet - Alexander Vielhaber (Metalltechnik Lehrling), Fabian Hirtenlehner (Werkzeugbau), Markus Schauppenlehner, Susanne Wagner, Leo Herzog, Melanie Eybl
(c) Dominik Stixenberger

Die Lehre als Karriereturbo in der MTI


Die Metalltechnische Industrie NÖ (MTI) umfasst zahlreiche Lehrberufe mit langer Tradition und hervorragenden Zukunftsperspektiven. Ob in der Metalltechnik, Mechatronik, Prozesstechnik oder Informationstechnologie, der Weg von der Lehre bis zur Führungsposition ermöglichte bereits bisher viele Karrieren. Mit neuen Informationsangeboten und regionalen Initiativen sollen die Lehrlinge von morgen verstärkt angesprochen werden.

„Die Voraussetzungen für einen Lehrberuf in unserem Unternehmen sind technisches Geschick sowie mathematisches Verständnis und natürlich Interesse für diesen Beruf“, erklärt Gerhard Anger. Der Geschäftsführer von Neuman Aluminium berichtet, dass in diesem Jahr sieben Lehrlinge von rund 70 Bewerberinnen und Bewerbern aufgenommen wurden, die mit September eine Lehre in der Prozesstechnik, im Maschinenbau und der Elektrotechnik starteten.

Neuman Aluminium gilt als weltweit tätiger Vorzeige-Industriekonzern mit fast 3.000 Mitarbeitern mit Firmensitz in Marktl im Bezirk Lilienfeld. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und Produktion hochwertiger Aluminiumteile spezialisiert und entwickelt Lösungen für die Automobilindustrie, die Bauwirtschaft, die Elektrotechnik, die Sicherheitstechnik und die Verpackungsindustrie. Eine Lehrlingsproblematik mit zu wenigen Bewerbern kennt der Betrieb der Metalltechnischen Industrie nicht. Die Schwierigkeit besteht eher in den entsprechenden Qualifikationen der Bewerber.

„Jeder der den Willen hat, sich weiterzubilden, ist bei uns herzlich willkommen, denn in unserem Unternehmen sind alle Wege für eine Karriere mit Lehre offen. Einige unserer Top-Führungskräfte sind bei uns mit einer Lehre gestartet und sind durch Engagement und den persönlichen Willen, sich ständig weiterzuentwickeln, die Karriereleiter aufgestiegen“, gibt Geschäftsführer Gerhard Anger einen Einblick in die gewachsene Struktur des Familienunternehmens.

Schnuppertage zum Kennenlernen, Lehrwerkstätte als Erfolgsfaktor

Die Unternehmen der Metalltechnischen Industrie und die Wirtschaftskammer NÖ investieren einiges, um den Lehrberuf schmackhaft zu machen. So gibt es Schnuppertage und ‚Tage der offenen Türe‘ für Schüler, um verschiedene Lehrberufe kennen zu lernen.

„Unsere Lehrlinge werden bestens auf den von ihnen gewählten Beruf und eine vielversprechende Karriere im Unternehmen vorbereitet“, betont Bernhard Dichtl, Geschäftsführer der Georg Fischer Fittings GmbH in Traisen. „Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei der Betrieb einer Lehrwerkstätte direkt am Standort, die eine strukturierte und umfassende Grundausbildung in einem lernfördernden Umfeld ermöglicht. Damit wird das Image der Lehrausbildung gestärkt und maßgeblich zur Entwicklung der fachlichen und sozialen Kompetenzen der Auszubildenden beigetragen.“ Seit Kurzem informiert ein umfassendes Lehrwerkstätten-Verzeichnis der Sparte Industrie in der WKNÖ über die Möglichkeiten für Lehrlinge, in dem 60 NÖ Industriebetriebe mit ihren Einrichtungen und zusätzlichen Angeboten gelistet sind. (www.industrieausbildung.at)

Knapp 1.000 Lehrlinge in 100 MTI-Lehrbetrieben

„Knapp 1.000 Mädchen und Burschen erlernen derzeit einen technischen oder kaufmännischen Beruf in einem Unternehmen der Metalltechnischen Industrie NÖ. Das sind rund 40 Prozent aller Industrielehrlinge in Niederösterreich“, fasst der Obmann der Fachgruppe Metalltechnische Industrie NÖ, Veit Schmid-Schmidsfelden, die derzeitige Ausbildungssituation zusammen. „Die Lehrlingsausbildung nimmt in der Metalltechnischen Industrie einen sehr hohen Stellenwert ein. Sind doch die Lehrlinge die dringend benötigten Fachkräfte der Zukunft.“

Als beliebteste Lehrberufe in den 100 MTI-Lehrbetrieben gelten der Metalltechniker, der Elektrotechniker, der Mechantroniker und der Gießereitechniker bei den Burschen, bzw. die Metalltechnikerin, die Industriekauffrau, die Kunststofftechnikerin sowie die Prozesstechnikerin bei den Mädchen. Lara Subotic, als eine von ihnen, absolviert ihr zweites Lehrjahr: „Für die Lehre als Prozesstechnikerin bei Neuman Aluminium habe ich mich sofort nach meinen Schnuppertagen entschieden und die Ausbildung wurde mir vorab von Freunden empfohlen. Meine Arbeit mit Maschinen ist viel spannender als die Theorie in der Schule und ich sehe anhand des Werkstücks sofort den Erfolg meiner Arbeit.“

„Wir arbeiten gemeinsam daran, den Lehrberuf zusätzlich der Rahmenrichtlinien, attraktiv und auf die Zukunft ausgerichtet zu gestalten. So unternehmen wir mit unseren Lehrlingen Exkursionen zu anderen Firmen, halten interne Schulungen beispielsweise zum Thema Industrie 4.0 ab, setzen auf bereichsübergreifende Ausbildung und ermöglichen Sprachkurse für spätere Auslandseinsätze. Wir setzen Maßnahmen im Teambuildung und Persönlichkeitsbildung, um den reibungslosen Übergang vom Schüler zum selbstverantwortlichen Lehrling zu gewährleisten“, erzählt Neuman Aluminium-Geschäftsführer Gerhard Anger. „Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber den jungen Mitarbeitern sehr bewusst."

Neue Wege beschreiten die Unternehmen auch, um ihre Lehrlinge zu rekrutieren und so die Basis für ihre zukünftigen Fachkräfte zu legen. Mittlerweile zählen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den Top-Recruitern, wie betont wird.

„Wir versuchen mittels Employer-Branding zu zeigen, dass unsere Mitarbeiter nicht nur tüchtige Arbeitnehmer sind, sondern sich darüber hinaus auch sozial engagieren, beispielsweise bei der Feuerwehr oder in einem Musikverein tätig sind“, erzählt Geschäftsführer Willibald Hilbinger von der Duomet Gmbh, einem metallverarbeitenden Industriebetrieb aus Ybbsitz. „Das macht sie für uns so wertvoll und das vermitteln wir mit einer Plakatserie auch der Bevölkerung.“

Regionale Initiativen stärken regionale Unternehmen

Der Duomet-Geschäftsführer sieht die Lehre nicht als Sackgasse, sondern als Chance für die Zukunft. Und er legt größtes Engagement an den Tag, um den Standort zu stärken und die Abwanderung von jungen Menschen einzubremsen. Als Obmann des Vereins MEIN LEHRBETRIEB (meinlehrbetrieb.at) versammelt er 60 Unternehmen aus den Bezirken Amstetten, Scheibbs und Melk, um sich den Schülerinnen und Schüler zu präsentieren. Die Schulbotschafter des Vereins konnten so bereits 2.400 Schülerinnen und Schüler über die Chancen durch eine Lehre informieren. Zudem präsentieren sich heuer 34 Betriebe beim Karriere-Clubbing, einer Lehrberufsmesse im Schloss Rothschild in Waidhofen/Ybbs, und suchen so den Kontakt mit über 800 Schülerinnen und Schülern aus der Region. „Wir möchten die Kids möglichst frühzeitig mit der Arbeitswelt in Verbindung bringen und bieten ihnen neben den Messeständen auch zehn Werkstatt-Inseln im Schlosshof zum erproben ihrer praktischen Talente“, so der Duomet-Geschäftsführer.

„Für kleinere Unternehmen ist es oftmals sehr schwierig, Lehrlinge für sich zu begeistern, da sie nicht diesen Bekanntheitsgrad besitzen wie die großen Player. Und die Anzahl an potentiellen Lehrlingen verteilt sich eben auf viele Betriebe“, berichtet Willibald Hilbinger. „Wir versuchen unsere möglichen Kandidaten über die breite fachliche Qualifikation und mittels Begleitung während des Reifungsprozesses zu gewinnen, also über die Charakterbildung oder das Teamwork. Prämien gibt es bei uns nicht für den Abschluss eines Lehrvertrages, sondern nur für erbrachte Leistungen, beispielsweise bei Auszeichnungen in der Berufsschule oder bei Lehrlings-Wettbewerben. Eine Matura-Ausbildung während der Arbeitszeit wird den ausgezeichneten Lehrlingen ab dem 2. Lehrjahr am Beta Campus in Waidhofen jeweils freitags angeboten.“

Das bestätigt Fabian Hirtenlehner, der seine Lehre zum Metalltechniker mit Auszeichnung abgeschlossen hat und nun parallel zur Matura die Werkmeister-Schule im WIFI NÖ absolviert: „Bei Duomet sind wir ein gut eingespieltes Team und unsere Chefs legen größten Wert auf eine Top-Ausbildung. Wenn du fleißig und handwerklich geschickt bist, kannst du bei Duomet beruflich rasch vorankommen.“ In der Duomet GmbH werden Metalltechniker und Mechatroniker ausgebildet.

Lehre im Aufschwung! Optimismus in der Branche!

Aktuellen Berichten zufolge hatten zuletzt bereits die Hälfte der Ausbildungsbetriebe der niederösterreichischen Industrie Schwierigkeiten beim Besetzen der Lehrstellen. Dies lag oftmals am Bildungsniveau der Bewerberinnen und Bewerber. Rund 40 Prozent der Verantwortlichen stellen leicht resignierend fest, dass diese den Anforderungen des Unternehmens nicht entsprechen. Trotzdem blickt Neuman Aluminium-Geschäftsführer Gerhard Anger hoffnungsvoll in die Zukunft: „Das Image der Lehre wird wieder besser und es ermöglicht uns mit unserer Lehrlingsausbildung die eigenen Fachkräfte heranzuziehen.“

Für heuer zeichnet sich ein klares Plus von fast zehn Prozent bei den Lehranfängern in der niederösterreichischen Industrie ab. Auch Duomet-Geschäftsführer Willibald Hilbinger zeigt sich für die Region Mostviertel sehr optimistisch: „Es zeichnet sich ein Stimmungsumschwung ab. Vor allem Eltern halten die vielen Möglichkeiten, die eine Lehre bietet, für wertvoll und überzeugend. Beispielsweise stehen bei ‚Lehre mit Matura‘ den Jugendlichen sämtliche Möglichkeiten fürs weitere Berufsleben offen. Hierbei unterstützen wir als Lehrbetrieb bestmöglich!“

Facts & Figures:

Die Metalltechnische Industrie ist die Schlüsselindustrie und Job-Motor in Niederösterreich. Sie umfasst alle Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei. Mit über 310 Unternehmen und über 26.300 Beschäftigten erwirtschaftet die Metalltechnische Industrie NÖ pro Jahr einen Produktionswert von 7,3 Milliarden Euro. Die mittelständisch strukturierte Branche stellt das Rückgrat der industriellen Beschäftigung in Niederösterreich dar.

Zahlen für NÖ:
  • 26.366 unselbständig, beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
  • 313 Unternehmen
  • 7,3 Mrd. Euro Produktionswert (davon 5,2 Mrd. Euro Umsatz im Ausland)
  • 12,4 Prozent des Bruttoregionalprodukts von NÖ erwirtschaftet die Branche
  • 971 Lehrlinge – das entspricht rund 40 Prozent der Industrielehrlinge
  • rund 80 Prozent KMU
  • rund 85 Prozent Familienbetriebe
  • 23 Prozent aller NÖ Exporte
  • über 115 Mio. Euro F&E-Ausgaben jährlich

Daniela Zibusch - Lehrling bei Pollmann International

Erdem Arif - Lehrling bei Schaeffler Austria

Ing. Franz Mayer - Direktor der Landesberufsschule Neunkirchen

Roman Zibusch - Lehrlingsausbilder bei Pollmann International

Cornelia Langsenlehner - Lehrling bei Welser Profile Austria GmbH

Michael Baier - Lehrling bei Busatis GmbH


teilen auf whatsApp
Scroll to top